Russische Literatur · Gogol

Nikolai W. Gogol · 1809 – 1852

Vor nicht allzu langer Zeit war ich einkaufen und traf dabei auf einen an Literatur interessierten Kollegen, dem ich von meinem Russlandabenteuer erzählte.

Er: «Du gehst nach Russland? Eh, cool. Dann kennst du sicher Gogol – der ist ja sehr lesenswert!»

Ich: «Klar kenne ich Google, wer kennt den schon nicht!»

Er: «Nein, nicht Google, sicher nicht. Nein Gogol heisst der! Nikolai Gogol aus St. Petersburg. Der hat ganz schräge Sachen geschrieben.»

Ich: «Gogol sagst du? Komischer Name. Von dem habe ich noch nie etwas gehört. Merke ich mir – Danke!»

Zu Hause machte ich mich wikimässig schlau und sah, dass er unter anderem die Novelle «Die Nase» verfasste. Wie diese beginnt? Nun, ein Barbier sitzt zusammen mit seiner Frau gemütlich am Frühstückstisch, schneidet ein Brötchen auf – und findet darin etwas Weissliches. Als der Barbier völlig erschrocken auf diesem Ding vorsichtig herumdrückt, sieht er, dass das die Nase eines Kunden ist, dem er erst vor kurzem den Bart gestutzt hatte! Seine Frau sieht diese Nase auch und schimpft ganz fürchterlich mit dem armen Barbier. Dieser kann nich genug beteuern, dass es für ihn auch nicht erklärbar sei, wie diese Nase in dieses Brötchen gekommen ist. So nimmt die Geschichte ihren Lauf …

Diese Novelle wird der Absurden Literatur zugeordnet. Es ist keine Geschichte, die von einem Traum erzählt, eine Märchenwelt hervorzaubert oder eine Fantasygeschichte ausrollt. Nein, ganz normale Begebenheiten werden wiedergegeben und wie aus dem Nichts taucht etwas völlig Absurdes auf. Für mich faszinierend, dass Geschichten auch auf eine solche Weise erzählt werden können. Was ich bei Gogol auch interessant finde: Zum Einen hat er mit einer andere Novelle – «Der Mantel» – den berühmten Schriftsteller Fiojdr Dostojewski zu seinen ersten Romanen inspiriert. Und auch: Er war ein Zeitgenosse des bekannten Schweizer Schriftstellers Jeremias Gotthelf.

Und ach ja, fast hätte ich es vergessen: Das nächst Mal, wenn ich in ein feines Weggli herzhaft reinbeisse, hoffe ich doch sehr, nicht auf etwas zu beissen, das eine Nase sein könnte …

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